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Samstag, 27. Januar 2007 um 13:38

Openended Muckdraw

Es ist Freitag. Die Pokerecke in der Spielbank Esplanade platzt aus allen Nähten. Zwei Kampfhähne stehen sich lautstark an meinem Nachbartisch gegenüber. Trashtalk, Showdown und Poker at it´s best.

D.: „Ich teile keinesfalls – Du kannst mich mal!“

H.: „Ich hab Drilling. Chef, die Chips zu mir!“.

D.: „Man, Du Blindschleiche, ich hab Asse. Kein Stück geht zu Dir.“

H.: „Das wollen wir doch mal sehen!“

D.: „Wo denn? Du hast doch gar keine Karten mehr!“

H.: “Chef, wo sind meine Karten?“

Es gibt „card protectors“, nicht verwendete Chips, Eheringe, Glücksbringer und ich nehme oft meinen Labello um meine Karten zu sichern. Der Spieler links neben dem Dealer allerdings  deutete wohl  bisher das „Sichern der Karten durch Gegenstände“ als modischen Schnickschnack und büßte so in einer etwas unglücklichen Situation noch vor dem Showdown seine Holekarten ein. Der Dealer haut die freiliegenden Karten mit einer Handbewegung ausversehen in den Muck.
Nun raised und gewinnt es sich etwas unbequem ohne Karten. Showdown heißt Hosen runter und zwar beim Holdem alle beide.
Die Diskussion wird lauter. Wir unterbrechen kurz unser eigenes Spiel um den Geschehnissen beizuwohnen. Immerhin betrifft es alle Spieler wenn eine Entscheidung getroffen wird und sozusagen „Hausregelstatus“ erhält.  Zwischendurch denke ich H. bekommt eine Kehlkopfentzündung vom Schreien und D. wächst um 1 m. Wer D. kennt, weiß, dass er nicht so unglücklich darüber wäre :-))

Wer ist Schuld? Wie kam es dazu? Aber die brennende Frage ist eigentlich: Was macht man jetzt? Internationale Regeln besagen, dass man selber für seine Karten verantwortlich ist. Und zwar in vollem Umfang. Man hat dafür Sorge zu tragen, dass niemand Fremdes in die eigenen Holekarten schauen kann, die Karten bei Bedarf vor einem liegen bleiben und ebenfalls ordnungemäß in den Muck fliegen.
Ich warte schon darauf, dass H. sich 2 x-beliebige Karten aus dem Stapel wieder raussuchen darf, doch dann trifft die Esplanade eine Entscheidung:

D. erhält den Pot. H. bekommt die gleiche Anzahl der Chips/ Geld vom Casino erstattet.

Wir haben folgendes gelernt: Die Esplanade ist grosszügig, wer schreit hat Recht und der Labello bleibt in der Handtasche.


Erstellt von:Katja Thater am Samstag, 27. Januar 2007 um 13:38
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Mittwoch, 17. Januar 2007 um 17:24

Zahnarztstühle & Penaltys

Nachdem mich Achmed gebeten hat darüber zu berichten, dass ich seine AA im Turnier gebusted habe, schreib ich mal ausnahmsweise ausführlicher über das laufende Spiel hier in Hamburg und Umgebung.

Am Freitag bin ich mittags nach 20 Std. Reise in Hamburg gelandet, mein Schatzi holt mich ab mit den Worten: “Ich hab Dich vermisst. Schön, dass Du wieder da bist und bist Du fit?“ Die letzten 3 Worte lassen mich darauf schließen, dass ich bestenfalls Zeit haben werde meine Koffer auszupacken und eine Waschmaschine anzustellen.
Zwei Plätze in der Spielbank Esplanade seien reserviert, es gäbe knackiges Cashgame und essen können wir unterwegs.

Welcome back!

Ich schwing mich wieder in ein winterliches Outfit und muss verhasste Strümpfe anziehen. Das suckt immer am meisten wenn der Sommer vorbei ist. Wir trudeln also pünktlich ein, der Tisch ist voll und es soll 10/20 PLHE gespielt werden.


Achmed Koc

Es geht gleich richtig rund: Live-Straddles, Blind bet & raise, reraise. Ich bin ein wenig müde und halte mich die ersten 2 Stunden zurück. Mein Stack ist die ganze Zeit ein wenig + und ich kann mit der Schokolade spielen.

Dann kommt eine MegaHand, an der ich leider nur als Zuschauer beteiligt bin: Es wird live gestraddelt, David raised UTG Pot. 7 Spieler zahlen, inklusive Kai, der auf dem Button sitzt. Der Flop kommt mit A 2 4 zwei davon in Karo. David spielt 300. Meiner Meinung nach viel zu wenig, es reicht aber, dass alle ihre Hand weglegen bis auf Kai. Er zahlt. Turn A. David spielt 1500, Kai raised maximum. David schiebt seine Chips rein. Der Pot ist jetzt bei über 6000 EUR. Call.

Alle, die nicht beteiligt sind, grinsen schon und wissen was kommt. Kai ist nämlich Spezialist im Suckout-verteilen. David hat natürlich ein Monster: AJ in Karo für Set A und den Nutflush-Draw. River kommt blank und Kai zeigt seine gefloppte Strasse mit 5 3 off.

David wirkt nicht fröhlich.
Ich werde nach diesem Vorfall dann auch noch endlich wach und beende die Session mit 140 BB im plus.

Am nächsten Abend fahren wir nach Schenefeld, spielen das 200-er Weekly und haben noch mal Plätze am 10/20 PLHE.
Im Turnier habe ich Position auf Achmed, ehemaliger Deutscher Meister (als das noch ne Meisterschaft war..:-)) und am Tisch sitzen die sonst üblichen Verdächtigen. Achmed ist ein hervorragender Turnierspieler: angstfrei, aggressiv, blufft viel und trägt seine Moves gut vor. Niemand hat ihn gern am Tisch wenn Karten unterwegs sind.

Und es begab sich zu einer Zeit…
Achmed sitzt im Blind. Ich limpe mit Pocket Snowman, nach mir zahlen auch noch 2-3 Leute. Achmed raised aus dem SB. Das ist ein beliebstes Spielchen. Wir haben wenig Startchips, 15 min Level und man muss schnell zu Chips kommen wenn man ins Geld will. Im Pot sind jetzt schon ansehnliche 500 und ich überlege ob ich eine 50/50 Chance will. Ich vermute 2 Overcards und entschließe mich dazu zu reraisen. Alle passen zwischen uns und er geht, wie vermutet, all-in. Ich zahle.

Und was für Overcards! Asse im Blind. Upps. Na ja, ich packe meinen Stuff schon mal zusammen, drücke den Zigarillo aus, da klatscht der Dealer den Flop inklusive einer 8 auf den Tisch. Ich hab Drilling und der hält bis zum Schluss.
Ich schäme mich ein bisschen und denke aber gleichzeitig: “Warum kann ich nicht mal in einem  wichtigen Turnier so treffen und bin nicht ständig die mit den AA?“. Na ja Schwamm drüber sagt Achmed, er ist ein sehr guter Verlierer und bittet darum, dass seine Chips bitte ins Geld wandern.

Das tun sie dann auch.
3-Handed haben wir ausgeglichene Chipstände und auf dem Button, na ratet mal, AJ in Piiiik.
Ich gehe all-in, der SB passt, der BB hat schon ¾ seines Stacks drin und zahlt. „Ich muss ja“. Ja, er muss. Das ist mathematisch richtig. Showdown. Er zeigt 8 9. Auf dem Flop kommt die 8, aber 4 Pik für mich. Ich halte lachend meine Karte hoch und sage, keine Sorge, das Ding kriegst Du nach Hause.

Und so kommt es. Ich werde 3.
Im Cashgame krieg ich es dann noch fertig meinen Turniergewinn zu vereiern. Meine ersten 3 Hände waren QQ; QQ; AA. Alle verliere ich teuer, kann mich aber erholen bis Hassan mir mit einer runner-runner Strasse in die Löcher einen 2,5K Pot abnimmt.

Gott sei Dank macht Jan +, so dass wir noch einigermaßen fröhlich um 3.30 morgens das Casino verlassen.

Unermüdlich wird hier weitergepokert. Am darauf folgenden Tag sind wir wieder in der Esplanade.
Die haben ein neues System eingeführt, den „Must Move“ Table. Gute Sache, international wird es schon immer so gehandhabt, dass es einen Haupttisch gibt und die Nachrücker schon mal am Must Move spielen können bis ein Platz frei wird.

So ist es hier nun auch. Es gibt an diesem Abend 2/4 NLHE mit einem Maintable und einem Nachrückertisch. Jan und ich haben Plätze am Haupttisch weil wir pünktlich da sind.
Natürlich ist unser Tisch voller Mantas, wir machen sofort ein großes Spiel draus, ignorieren die kleinen Blinds und donken los. Action!

Es geht ein bisschen wie beim Zahnarzt. „Der nächste bitte“. Ich kriege nur Schrott und ziehe einen schicken Pot nach dem anderen weil ich rumbluffe. Mein blond-tightes Image hurra! Dann mache ich, wirklich aus Versehen, einen Live-straddle. Merke das aber erst, als ich schon Caller und Raiser habe. Ich jaule rum und Kai sagt. “Den gewinnst Du aber“. Ok, ich gucke in meine Holecards und sehe die erste vernünftige Karte des Abends: AA. OkiDoki, reraise. Alle passen bis auf den Bürgermeisteranwärter aus dem Kosovo (Das ist ein Insider). Die Kohle wandert rein, er hat Gott sei Dank wenig Geld vor sich stehen. Der Flop kommt 7 8 J rainbow. Ich spiele seinen Rest und er zahlt mit den Worten. “Du musst treffen“. Na bravo. Er zeigt mir Pocket 7. Ich kann mich nicht verbessern und verliere einen mittelgroßen Pot.

Zwischenzeitlich will keiner vom Must-Move mehr auf den Zahnarztstuhl. Es gibt Tumult und es fallen Worte wie „Mit denen spiele ich nicht“, „Alles Aasgeier“, „Ich kann mein Geld auch verbrennen“ usw.
Die Spielbank Esplanade bleibt hart. Wenn keiner rüber will, wird der Must-Move geschlossen. Es dauert ein wenig, bis sich alle an die neuen, internationalen Regeln gewöhnen. Das ist gut, dass es auch mal durchgezogen wird.

In Schenefeld soll es neuerdings auch Penaltys geben. Sehr begrüßenswert. Mal gucken wie das so ankommt.

Ich mach mich jetzt auf nach Kopenhagen, der Flieger geht in 2 Stunden. Habe schon gelesen, dass das Feld zu 70% aus Wikingern besteht. Also, die Keule wird eingepackt.

 


Erstellt von:Katja Thater am Mittwoch, 17. Januar 2007 um 17:24
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Montag, 15. Januar 2007 um 4:06

Atlanter & Lemuren

Goethes Faust, 5. Akt
Herbei, herbei! Herein, herein!
Ihr schlotternden Lemuren,
Aus Bändern, Sehnen und Gebein
Geflickte Halbnaturen.

 

Donnerstag, 4. Januar – 8.30 Uhr – Frühstücksbar Royal Tower: „Guten Morgen, sind Sie Frau Thater?“

Ich mache einen Augenaufschlag und auf deren Höhe bleibe ich bei meinem Gegenüber ungefähr im Bauchnabelbereich hängen. Um diese Uhrzeit trage ich normalerweise noch keine High Heels (es sei denn ich komme aus einer Bar), sondern FlipFlops und mein Genick knackt bedenklich, so weit muss ich den Kopf in meinen Nacken biegen.
„Ja.“
Er stellt sich artig vor. Patrik aus Saarbrücken, einziger Finalteilnehmer des Moneymaker Millionaires aus Deutschland. Wir holen uns Kaffee &  Bagels und ich setzte mich mit Hightower in eine der gemütlichen Sofas. Wir quatschen sofort los über die bevorstehenden Ereignisse, da stellt er mir seine Begleitung vor: Auch Patrik. Auch aus Saarbrücken und mit schwarzem MMM T-Shirt. Beide entschuldigen sich, dass sie ein wenig verwegen aussehen. Die Koffer seien weg und ich möchte sie freundlicherweise beizeiten darauf aufmerksam machen wenn man sie bereits auf 50 m am Geruch erkennen würde. Wir verabreden uns für später auf der PokerStars-Welcome-Party.


Diesmal hab ich High Heels an

Ab Mittag habe ich einen Marathon-Terminkalender. Filmen für die PokerStars-Webseite in allen Lebenslagen (englisches Skript kurz vorher bekommen, alles auswendig gelernt, dann doch auf Deutsch…), endlose Fotoshootings: alleine, nur die 3 Mädels, Gruppenbilder. Wir haben trotz der wenigen Zeit und dem vollem Programm viel Spaß. Es wird Chinese-Poker in den Pausen gespielt, Hamburger werden geordert, Babybilder von Chris´s Tochter angesehen und alle haben ein wenig Bedenken, dass das Foto-Dauergrinsen bis Turnierstart nicht mehr weggeht.

Am nächsten Tag ist für mich, Bill & Chris der erste Spieltag. Flight 1a, ca. 460 Spieler von denen 212 weiterkommen sollen. Es werden 6 Level gespielt a 75 min, nach jedem Level 10 min Pause, kein Dinnerbreak.

Ich lege einen sehr guten Start hin und gewinne nach ca. 20 min Spielzeit einen sehr großen Pot gegen 2 Mitspieler von denen mir noch einer meinen Suck-Bet in den Nutflush zahlt. Squeeeeezzzeee them! Und das war auch das positive Highlight des Tages. Etwas später muss ich gefloppte Strasse weglegen (ziemlich teuer) als sich das Board auf dem River paart und die Situation ganz komisch wird. Zu Recht. Ich passe, einer zahlt noch und wir glotzen beim Showdown auf das Fullhouse von Platz 10. So weit so gut, ich hab Bomben-Reads auf meine Gegner, es bringt mir nur keine Chips da ich endweder in irgendwas Größeres renne wie z.B. AA vs KK im SB + BB oder sich die Hand sich einfach negativ entwickelt.

Zwischenzeitlich wird Seri an den Nachbartisch in meinen Rücken gemoved. Er hat wenig geschlafen, die Nacht in einem Konferenzraum ohne Decke verbracht und ist zudem noch etwas ungeduldig. Sein Stack macht extreme Hüpfer nach oben und unten, er spielt viele Hände und mit einmal höre ich: “Katja, ich bin raus.“. Schade.

Also ich kämpfe mich nach einigen Tischwechseln so durch. In den letzten Händen des Tages, ich bin gerade 20 min an meinem neuen Tisch, mache ich noch mal schnell ein paar Moves. Ich  nutze einfach die Müdig- und die Bocklosigkeit der Spieler nach einem so langen Tag aus und überlebe mit 20.200 Chips. Somit habe ich mir die Chance erhalten am zweiten Spieltag noch was reißen zu können.

Am nächsten Tag findet das PokerStars Moneymaker´s Millionaire statt. Ich habe viel Pressearbeit zu erledigen und treibe mich derweil in dem separaten Finalraum der MMM Teilnehmer rum.


MMM Final-Raum

Katja, komm mal her, stell Dich mal da hin, hier ist Kanadisches TV, kannst Du mal eben…? So geht den ganzen Tag. Das DSF mit Michael Körner dreht auch parallel eine Dokumentation. Mit Michi ist es easy, wir machen immer was spontan und zwischendurch. Ich schaue den MMM-Teilnehmern bei Gelegenheit zu und feuere Patrik an. Er hat ne Menge Chips aber verliert dann einen Monsterpot. Er gambled Heads-up mit einem Draw, der leider nicht kommt. Von da an ist die Motivation bei ihm deutlich gesunken und er scheidet als 19. aus. Immerhin hat er 10K sicher und n schicken Bahamas-Urlaub. Ausscheiden tut immer weh und die Koffer sind auch noch nicht da. Alles schön nachzulesen in seinem Tagebuch unter http://www.nolimit-holdem.org/ .

Von diesem Zeitpunkt an entschließen wir uns auf Cocktails umzusteigen.

Am nächsten Tag habe ich meinen 2. Spieltag und ich erwarte eigentlich, dass ich entweder so shortstacked im ersten Level raus bin oder aber mich schnell abdoppel und in der Komfortzone Average befinde. Nix da, soooo einfach geht das nicht. Es schleppt sich hin. Die Fallbeile arbeiten im Sekundentakt. Ich sehe doch die erste Pause nach 75 min und bin noch drin. Es wird bis zum Geld runtergespielt, 450 Teilnehmer noch, 180 ITM. Ich kriege ein paar brauchbare Situationen und hab Gott sei Dank noch so viele Chips, dass ich bluffen kann. Das reicht zumindest zum Blindsteal und so schaffe ich es dann auch noch in den Level 8. Dass ich natürlich shortstacked absolut kartentot bin versteht sich von selbst. Das sind ja reine Selbstgänger. Zwischendurch denke ich, wenn ich noch einmal die Karo 2 sehe schreie ich.


Das Fallbeil hat viel Arbeit an Tag 2

Dann endlich kommt meine Todeskarte AJ in Piiiik. Hop oder Top zum Abdoppeln. Die Karte sieht richtig schick aus in Late Position und beinhaltet nicht mal die Karo 2. Ich mach nicht lange rum, den Standard-Raise in mittlerer Position ignorier ich und pushe mit über 19K bei 1,2K BB und 200 Ante all-in. Der BB denkt nach, zählt seine Chips und kann knapp 30K vorweisen, die er in die Tischmitte schiebt. Der ursprüngliche Raiser wirft weg. Ok, Showdown. Ich zerre meine Kotzkarte hervor und sehe bei meinem Gegner KQ offsuit. Na bitte, er hat ganze 35%. Mit was die Leute ihre Kohle reinschieben, unglaublich: Raise, reraise und call ein all-in mit KQo für fast all seine Chips. Mich freut es.

Natürlich lässt mich AJ in Piiiik nicht im Stich. Sofort kommt eine rote Dame auf den Flop gehoppelt. Das Board ändert sich nicht großartig zu meinen Gunsten. Prima AJs, auf Dich ist Verlass. Ob ich 65, 75 oder gar 80% mit Dir habe, Du bist ganz oben auf der Liste.

Ich scheide im oberen Drittel aus.
PokerStars-Teamkollegin Vanessa kommt mir kurz darauf entgegen, laut gestikulierend. Keine Sprechstunde mehr. Sie reist ab.


Bra-opener

Ab jetzt werden nur noch Cocktails getrunken.
Bahama Mama, Moby´s Dick, Bra-Opener und Sledgehammer. Alles das Gleiche, die Typen in der Bar schütten rein was in der Vitrine steht.

Da hier kein Mobiltelefon geht und auch das Internet nur funktioniert wenn einer im Keller das Fahrrad tritt, mache ich auch kein Blog-update.

Wir rocken die nächsten Tage noch alle Sidegames; die Jungs sind nach wie vor ohne Koffer, riechen aber merkwürdigerweise nicht. Hightower-Patrik hat sich eine schwarze Polyesterhose im 50-er Jahre Look zugelegt, mir schlägt vor Lachen das Herz höher und ich versuche nicht in seiner Gegenwart zu rauchen weil ich Angst habe die Hose explodiert. Zu dem hat sie Schlag und Hochwasser, was man aber unterm Pokertisch nicht sehen kann.

Ich bekomme meinen Lady Shaver und den Pfirsich-Rasierschaum von den Jungs zurück, wir betrinken und bezocken noch Pat´s Flugangst, denn deren Abreisetag sieht ziemlich ungemütlich aus. Die Worte „Bermuda-Dreieck“, „Abstürze“ und „Kotztüten“ findet er gar nicht komisch.

Mit Seri teile ich mir noch am nächsten Morgen ein Taxi zum Flughafen. Ein Wunder, denn er ist morgens um 6 nach zig Bahama Mamas in der Hotellobby eingeschlafen. Ich hatte ihm noch sein Portemonnaie unter den Hintern geschoben, keine Ahnung was drin war, aber so was kommt hier sicher gar nicht gut. Immerhin sind wir in Atlantis. Und dass man hier auch nur einen Lemura trifft, ist so unwahrscheinlich wie AJs nach Hause zu kriegen.

Patrik allerdings sagte mir, sein Lemure in ihm hätte schwer gekämpft. Er käme aber mit nach hause. Lebend.

 

 


Erstellt von:Katja Thater am Montag, 15. Januar 2007 um 4:06
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Mittwoch, 3. Januar 2007 um 15:38

Häagen Dazz und die schwarzen Stoppschilder

Der erste Morgen ist schön. Genau wie mein Zimmer mit der Terrasse.
Der Abfluss im Badezimmerwaschbecken geht zwar nicht, die Klimaanlage lässt selbst mich als Ingenieurstochter verzweifeln aber die aufgestellt Kaffeemaschine von „Melitta“ funktioniert nach Steckdosenwechsel. Ich ignoriere die Bahaemien-Mentalität und mache mich noch verschlafen um 9 ans Wasser.
Am Strand angekommen frage ich mich ob es eine 3-D-Postkarte ist, die jemand als Panorama hingerückt hat. Das Licht ist zum schreien herrlich, das Wetter nicht zu heiß, es gibt Wind und Liegestühle im weissen Sand.

Nach 3 Stunden habe ich genug von der Sonne und gehe in der Casino-Sportsbar ohne schlechtes Gewissen einen leckeren Tuna-Salat essen. Delfine gibt’s hier schließlich in ausreichender Menge.

Ich schlendere noch ein Weilchen herum, es gibt noch kein Poker hier; nur die üblichen Abräumer wie Tropical Stud, BlackJack, Dice und Roulette mit Doppel-Zero. Alles ab minimum $ 100 Einsatz. Ich entscheide mich für nichts davon und kaufe mir stattdessen 2 neue Kleider statt dem Casino meine Kohle in den Rachen zu schieben.

Gegen 6 wird’s dunkel und ich laufe durch die Anlage um noch irgendwoher einen Milchshake zu bekommen. Der Weg zu „Häagen Dazz“ führt durch die Marinas, einem  Anlegesteg der Superreichen. Ich bin wirklich schwer zu beeindrucken;  das wissen mein Mann, meine Freunde, meine Familie und auch mein bockendes Pferd. In der Regel kommt von mir nur ein „Aha“ oder „Ist ja schön“. Ich träume zwar immer von einem Hausboot, aber was hier rumdümpelt sind Villen mit Anker. Selbst in St. Tropez oder Monte Carlo hab ich so eine Ansammlung nicht gesehen.
Schaaaaaaatz, ich will so ein Boot.
Ok, wird er sagen, dann streng Dich halt an. Aber selbst wenn ich hier die PCA gewinnen würde, es reicht grad mal für die erste Leasingrate, Liegegebühren, das Personal und den Sprit. Wie gesagt, es sind keine herrschaftlichen Yachten, es sind mehrstöckige schwimmende Villen.

Ich lasse mir für 7$ -wir sind schließlich auf den Marinas- einen Milchshake machen, schlendere weiter und blicke zufällig in eines der vielen Wasserbassins. Ich frage mich wie die Amerikaner hier so ungesichert entspannt Urlaub machen können. Die drehen ja sonst schon durch wenn ab dem 2. Stock ohne Sicherheitsriegel die Fenster aufgehen.
Ein Becken voller Leben und das ganz ohne Warnschilder und Elektrozaun! Wer den Fuß reinhält ist selber schuld und verliert mindestens einen Zeh.
Es sind unzählige Haie und Mantas. Letztere liegen wie große träge Stoppschilder auf dem Grund;  unausweichlich, schwarz, elegant. Wenn sie nicht den Hai-Verkehr regeln, gleiten sie wie die Vampire zu Roman Polanskis Bestzeiten unbeeindruckt durch das schimmernde Nichts. Ich bin so fasziniert, dass mein Milchshake schmilzt.

Nach längerer Beobachtung des Treibens im Becken ist der Poker-Begriff „Shark“ bei mir neu definiert. Die Haie machen zwar mit ihrer festen Haut einen starken und unverwundbaren Eindruck, sie sind aber leicht zu durchschauen und in ihrer Art zu offensichtlich. Einen Check-Raise kriegen die keinesfalls hin. Bluffen können sie auch nicht. Da gibt’s nur fold oder zubeißen. Außerdem halten sie respektvoll einen merklichen Sicherheitsabstand zu den Mantas und befolgen deren Straßenordnung ohne Gegenwehr.

Ich hoffe nun, das keiner am 5. Januar schwarze Straßenschilder an meinem Tisch hochhält. Sharks sind mir egal. Aber das waren sie eigentlich schon immer. Jetzt weiß ich endlich warum.


Erstellt von:Katja Thater am Mittwoch, 3. Januar 2007 um 15:38
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Mittwoch, 3. Januar 2007 um 1:43

Welcome to the Bahamas and have a nice day

Meine Sylvesterparty findet in einem fliegenden VW-Käfer statt.

Gut zwischengelandet, alles „on time“ und totz des vielen Umsteigens keine Kofferverluste, besteige ich in Miami die letzte Maschine in Richtung Bahamas. Naja, was heißt schon Maschine und was heißt eigentlich umsteigen?
Beim Security-Check in Miami erwartet mich ein noch nie gesehenes neues Feature um die Passagiere zu hänseln. Also ordinäres Schuhe-an-aus, Flüssigkeiten vernichten, Feuerzeug-Entzug und Gepiepse ist nicht genug.
Ich werde gebügelt.
Eine Kabine wie ein Transformator bei Scotty auf der Enterprise.  Bitte treten sie ein, die Tür schließt sich automatisch, Klaustrophobie ahoi und es geht los. Die Geräusche sind wie in der Reinigung nebenan wenn die Oberhemden von Herrn Schmidt geplättet werden: Pscht, pscht, pssssscht. Marilyn Monroe verliert garantiert das gesamte Kleid. Endlos wird rundrum gedämpft. Dann grünes Licht und ich darf endlich die Schuhe ausziehen und mein Feuerzeug in den Müll werfen.


Bahamas gefällig?

Im letzten Winkel am Flughafen befindet sich laut Tafel mein angezeigtes Gate. Um die Uhrzeit sitzen doch tatsächlich noch 4 Personen im Warteraum. Haben die eigentlich kein Sylvester oder kein Zuhause?
Ich fülle die Formulare zu der Einreise auf die Bahamas aus. Ähnlich konzipiert wie die giftgrünen US-Papiere mit Verschreibgarantie. Eine freundliche Frau am Schalter reicht mir alles Notwendige aber irgendwie hab ich das Gefühl, sie weiß nicht was sie tut und eigentlich macht sie hier nur sauber. Ich habe keine anderen Vorschläge, mache was sie sagt und sitze im Warteraum.
Mit einmal höre ich „Last Call Mrs. Thater“. Aha. Der Last Call gilt für Gate 7, das ist nicht da wo ich sitze.
Ok, dann spare ich mir bei der Sauberfrau die Nachfrage und renne los. In London hatte ich das schon mal. Ich bin so gelaufen, noch barfuß nach dem Security-Check, dass ich 1 Stunde während des Heimflugs nicht sprechen konnte. Damals hab ich gedacht, dass wäre ein guter Zeitpunkt mit dem Rauchen aufzuhören.
Also ich renne.
Rein in die Kiste. Nachdem ich realisiere wo ich bin wird mir ganz schwummerig. Das Personal, welches jetzt noch arbeiten und ausgerechnet hier in diesem „Ding“ seinen Dienst tun muss, ist bestimmt strafversetzt worden oder hat schwere Buße zu leisten.
 Ganze 5 Personen sind in diese kleine Kiste eingepfercht. Die Kabinentür schließt sich und der VW-Käfer hebt ab. Ich bin müde und lehne meinen Kopf an die Boardwand. Nachdem ich so ein merkwürdiges Knacken höre nehme ich den Kopf wieder weg und bete dass die Außenhaut hält. Es ist so laut, dass ich dem Strafversetzten durch Zeichensprache sage, dass ich einen Apfelsaft möchte. Ich wunder mich sowieso, dass man uns was anbietet und das überhaupt jemand außer dem Affen im Cockpit da ist. Das flackernde Kabinenlicht ist an und lässt mir alle Absturz-Fantasien offen: Abgeplatzte Farbe überall, sich nicht schließende Oberfächer, wackelnde Sitze und  komische Geräusche.

Nach ca. 1 Stunde über dem Meer landen wir. Als wir aufs Rollfeld aussteigen stehen schick uniformierte Generäle bereit, die uns salutierend begrüßen. Entweder spinnt PokerStars jetzt völlig oder ich bin mit Muammar al-Gaddafi geflogen.

Ich sammel schnell meine Koffer ein und suche mir einen Fahrer der mich ins Atlantis Resort nach Paradiese Island bringt.
Die Fahrt dorthin geht durch Slums, aber an brennenden Mülltonnen wird fröhlich Sylvester gefeiert. Aussteigen oder Radpannen kämen jetzt trotzdem nicht so gut. Nach ca. 30 min fahren wir über eine imposante Brücke und der Anblick lässt selbst mich Übermüdete staunen: Ein gigantischer Gebäudekomplex, wirksam beleuchtet, erhebt sich aus dem Nichts. Atlanis. Oh mein Gott. Da haben die sich was einfallen lassen.

Ich drücke dem Fahrer $30 in die Hand, dafür muss ich mein Gepäck selber tragen.  Es ist ein wenig wie in Vegas. Große Eingangshalle, noch alles weihnachtlich geschmückt, wuselndes Personal, laute Musik und parfümierte Luft.
Ich checke in den Royal Tower ein und geh auf mein Zimmer. Endlich.


Erstellt von:Katja Thater am Mittwoch, 3. Januar 2007 um 1:43
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